Rugby Tourists Münster

Spielbericht - Aachen vs Münster

„51:0? Was ist denn da passiert?“

So fiel wohl die häufigste Reaktion der münsteraner Fans, Sympathisanten oder Vereinsmitglieder aus, die beim Auswärtsspiel in Aachen nicht dabei waren. Was klingt wie eine völlige Demontage, war vom Ergebnis her sicher nichts anderes, doch die Spielweise war eine andere. In der Hinrunde verlor man nach einem schlechten Auftritt noch 43:6 auf heimischem Boden und dennoch fühlte sich die diesmal noch deutlichere Niederlage besser an. So gut sich Niederlagen eben anfühlen können.

Nach dem Kickoff ging es zunächst gut los für die Tourists, die top motiviert und mit 28 Spielern in die Kaiserstadt gereist waren. Ein starker Durchbruch von Niclas Depenbrock auf der kurzen Seite wurde durch gutes Support-spiel von Flügel Ocko Freese bis kurz vor die Mallinie des Gegners getragen. Doch wie bereits so häufig in dieser Saison bekamen die Münsteraner den Ball einfach nicht zum Versuch über die Linie. Auch weitere gute Möglichkeiten in Form von Gasseeinwürfen an der gegnerischen 5m-Linie blieben im Laufe des Spiels mehrfach ungenutzt. In Sachen Standards konnte man an diesem Tag nur im Gedränge deutliche Vorteile verbuchen. Das Ballhandling funktionierte darüber hinaus sehr gut, es gab wenige Vorbälle oder technische Fehler.

Ironischerweise war es trotz der einseitigen Punkteverteilung ein ansehnliches Spiel, darin waren sich die Zuschauer beider Fanlager einig. Es standen sich zwei Teams mit klaren Spielkonzepten und einer guten Struktur gegenüber, die attraktives Rugby spielten. Doch wie kam es nun aus münsteraner Sicht zu diesem Ergebnis? Nun zunächst einmal muss man neidlos anerkennen, dass Aachen ein sehr gutes und talentiertes Team mit einem guten Spielsystem ist, das nicht umsonst an der Tabellenspitze steht. Die Aachener waren aufgrund ihrer langen Zweit- und Erstligaerfahrung einfach cleverer und durch individuell starke Spieler den münsteraner Jungs oft einen Schritt voraus. Aachen verstand es, die Tourists selten in Ballbesitz kommen zu lassen oder den Ball immer wieder schnell an den Kontaktpunkten zurückzugewinnen. Die daraus resultierenden Konterangriffe über die schnelle aachener Dreiviertelreihe konnten dann individuell nur schwer verteidigt werden, was dazu führte, dass nahezu jeder aachener Versuch gleich anmutete. Dazu kam, dass die Tourists schon früh im Spiel den angeschlagenen Ernesto Kettner auswechseln mussten, der später mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht wurde und die Nacht im aachener Universitätsklinikum verbringen musste. An dieser Stelle noch einmal gute Besserung.

„The bench brought inspiration“

Bei der Nachbesprechung am Mittwoch stellte Coach Ferreira jedoch klar, dass er auch in der hohen Niederlage positive Dinge festmachen konnte. Die Teammoral war an diesem Rugby-Sonntag über alle Zweifel erhaben. Alle 28 Spieler zogen an einem Strang, es wurde ermutigt, aufgebaut und angefeuert. Niemand dachte auch nur ans Aufgeben. Bis zur letzten Minute war der Glaube noch da, dass man in der Kaiserstadt einen Versuch legen kann, zu dem es dann auch beinahe noch gekommen wäre und das unter alles andere als glücklichen Umständen, denn durch einige Verletzungen im Laufe des Spiels mussten viele Spieler Positionen einnehmen, die sie noch nie zuvor gespielt hatten. Doch auch davon ließen sich die Tourists nicht entmutigen, im Gegenteil. Jeder Einzelne warf an diesem Tag alles in die Waagschale und stellte sich bedingungslos in den Dienst der Mannschaft. Eine Sache, die man nicht durch das Siegen, aus dem Lehrbuch oder an guten Tagen erlernen kann. Eine an diesem Tag schmerzliche, aber gleichzeitig sehr positive Erfahrung, die die Mannschaft letztlich stärken wird. Sinnbildlich für diesen Zusammenhalt steht eine der letzten Aktionen des Spiels, in der der gerade als Flügel eingewechselte Zweite-Reihe-Mann Niko Walraff einen hohen Ball aus der Luft fängt und in einem starken Lauf mit purem Willen drei Gegenspieler überrennt, bevor er danach ohne zu zögern die Position des ersten Centers einnimmt, da der kurz zuvor erst eingewechselte Alexander Ludwig verletzt das Spielfeld verlassen muss.

Ein bitterer Beigeschmack bleibt jedoch im Hinblick auf die nächsten Spiele. Einige Spieler gehen angeschlagen in die neue Trainingswoche oder müssen zunächst pausieren. Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, ob sie gegen Köln einsatzfähig sein werden. Für Alexander Ludwig hingegen folgte am Sonntag bei seinem alten Verein ein besonders bitteres Aus. Nach einem Muskelfaserriss im Oberschenkel wird er definitiv den Rest der Saison aussetzen müssen.

Premium-Sponsor

Facebook Herren

 

Facebook Damen